1917

Ende 1916 wurde eine neue Zeitung gegründet „Neues Wochenblatt“, Zeitung für das Viertel unter dem Manhartsberge. Bis Neujahr haben sich 16 Abonnenten gemeldet.

Herr Oberlehrer Leopold Reim, der über 1 Jahr Kriegsdienste leistete, wurde vom Militärdienst enthoben und seit 2.1. seinen Dienst in der Schule wieder angetreten. Herr Josef Faderbauer, der während dieser Zeit provisorisch die Schulleiterstelle übernommen, kam als provisorischer Schulleiter nach Niedersulz.

Am 3. Jänner wurde Trauergottesdienst abgehalten, für den gefallenen Krieger Johann Wasinger, hier geboren, verheiratet in Niedersulz. Am 16. Jänner für gefallenen Krieger Johann Geer, Halblehnersohn von hier. 

Vom 18. bis 26. Jänner nahm eine Kommission bestehend aus Herrn Oberlehrer, Bürgermeister, Gemeinderat Frohner und 4 Militaristen alle Vorräte an Getreide, Kartoffel, etc. auf. Gerade das aller notwendigste wurde den Leuten gelassen, das übrige musste gleich abgeliefert werden. 

Vom 20. Jänner an ziemliche Kälte, 10 bis 13 ° Reaumur Kälte (entspricht 12,5 bis 16,8° C) durchschnittlich. Am 25. Jänner war in Zistersdorf Musterung der Jahrgänge 1892 bis 1898, wurden wieder 8 behalten. Im Februar ist Musterung des Jahrganges 1899. Sind so wenig männliche Arbeitskräfte hier, wie wird in diesem Sommer die Arbeit geschehen können? 

Am 2. Februar war in Krafts Gasthaus Piusvereinsversammlung. Herr Franz Meißel, Landesbeamter in Wien hielt einen sehr interessanten Vortrag über Krieg und Presse, das Zusammenwirken zwischen Stadt- und Landbevölkerung. Weiters sprachen noch der Ortspfarrer und Oberlehrer Reim, Besuch war mittelmäßig. 

Die Kälte dauerte an, bringt bis 16° Reaumur (entspricht 20°C), gute Schlittenbahn. 

Am 12. Februar nach der hl. Messe war Abschied von der großen Glocke. Waren viele Leute in der Kirche. Kurze Kriegsandacht, Ansprache, hierauf Glockengeläute, zuletzt die große allein, gar viele haben geweint, da sie zum letzten Male ihre traute Stimme hörten. Am 13. Februar wurde die große Glocke am Turme oben ganz zerstückelt und für Kriegszwecke abgeliefert, es war traurig, dieses Hämmern und Schlagen zu hören. Der Krieg fordert große Opfer. Inschriften auf der großen Glocke waren: Unter dem hochwürdigen Herrn Pfarrer Ludwig Fockenhuber und Leopold Frohner Bürgermeister zu Loidesthal J.J. 1870. Ignaz Hiltzer k.k. Hofglockengießer in Wr. Neustadt. Bildnisse darauf: 1. Christus am Kreuz, 2. Maria mit dem Jesuskind, 3. hl. Wolfgang, 4. hl. Florian. Gewicht der Glocke 469 Kilo. Betrag dafür 1876 Kr, welche von der Gemeinde, da die Glocken Eigentum der Gemeinde sind, für die 5. Kriegsanleihe gezeichnet wurde. 

Die Kälte dauert an. In Folge Kohlemangel wurde die Schule geschlossen vom 9. März bis 10. April. 

Am 15. April hier Erstkommunion, 18 Kinder. 

Am 23. Februar bis 17. April waren 9 Sterbefälle: am 17. 4. starb Herr Mathäus Hödl, durch 37 Jahre Messner an der Pfarrkirche, das Leichenbegängnis fand unter großer Beteiligung Leidtragender statt. 

Im Laufe des Winters und Frühjahres fanden öfters Hausdurchsuchungen statt. Teils von der Militärbehörde, zuletzt von Finanzwache. Die Leute mussten selbst das hergeben, was sie selber notwendig zum Leben brauchten. Gar manche Häuser waren, wo kein Brot, kein Schmalz, keine Kartoffel mehr waren, und die Leute mussten die größten Entbehrungen tragen. Immer größer und schwerer wurden die Opfer des Krieges. Die Preise sind ungeheuer hoch und viele Artikel sind überhaupt nicht zu haben. Vom f. n. Ordinariat wurden öfters Betstunden angeordnet, um von Gott bald einen ehrenvollen Frieden zu erflehen. Die Leute sind schon ganz mutlos und verzagt. 

 Ende April doch endlich warme Witterung, schönes, heißes trockenes Wetter vom 30. April bis 8. Juli, während dieser Zeit regnete es nur 2 mal ganz wenig. In folge dessen zeigte sich große Dürre und Trockenheit, besonders im Juni. Besonders die Frühjahrssaaten können sich nicht entwickeln, Kartoffel, Hafer, Gerste stehen schlecht. Korn und Weizen ist sehr schön, auch Wein steht gut. 

Am 26. Juni beginnt die Kornernte. Die Leute trachteten bald Mehl zu bekommen, wird bald gedroschen und anfangs Juli gab es schon Brot von der neuen Ernte. Hunger tut weh. Am 8. Juli kam der sehnlichste erwartete Regen, war ein heftiges Gewitter, leider auch mit etwas Hagel, der an den Weingärten Schaden anrichtete. Der Blitz schlug in Nellers Garten in einen Nussbaum ein. 

Wiederum kam von der k.k. Militärbehörde der Auftrag, die Kirche muss auch die anderen Glocken noch für Kriegszwecke liefern. Am 9. Juli wurde die 2.größte vom Turm herab genommen. Sie wurde ganz unversehrt hinab geworfen, in den alten Friedhof. Inschrift dieser Glocke: durch das Feuer ich, David Mesnitzer, Jahreszahl 1627, Bild Christus am Kreuze, Gewicht der Glocke 174 Kilo, Betrag dafür 596 Kr. welche von der Gemeinde in die hiesige Sparkasse eingelegt wurden, vorläufig haben wir nur die Sterbeglocke (75 Kilo), vielleicht muss auch diese noch fort. 

Am 1. August starb Frau Rosalia Schinnerl an Ruhr, sonst noch keine Fälle zu verzeichnen in unserer Gemeinde. In Spannberg starben innerhalb eines Monats 16 Personen an dieser Krankheit. 

Am 2. September langte hier die telegraphische Nachricht ein, dass in einem Spital in Olmütz Herr Anton Schneider, Schuhmachermeister, an der Ruhr gestorben ist. Am 10. September war für ihn der feierliche Trauergottesdienst. Hier, wie auch an anderen Orten, wird viel gestohlen, besonders Obst, Weintrauben, Kartoffel und etc. Am 6. September nachmittags wurde bei Herrn Johann Schulz eingebrochen, gestohlen wurden 600 Kr. und verschiedene Kleidungsstücke, von den Tätern fehlt jede Spur. 

Am 8. September war Kriegswallfahrt nach Maria Moos, mehrere waren in Mariazell, um von der Mutter Gottes baldigen Frieden zu erflehen. 

Der ganze Sommer ist sehr heiß und trocken, im September fiel kein Tropfen Regen, Obst ist viel und teure Preise, so kostet 1 Kilo Äpfel 2 bis 3 Kr., 1 Kilo Zwetschken 1,30 Kr., kamen von Wien viele Obsthändler heraus. Weinlese beginnt am 16. September. Qualität sehr gut, Most wiegt 15°, Quantität mittelmäßig. Preise sind sehr hoch, 1 l Most 3 bis 4 Kr. 

Der Herbst war warm und schön, doch etwas Regen. 

Am 4. Dezember nachmittags Anbetung, sehr viele Beichtleute. P. Friedrich von Obersulz war zur Aushilfe hier, hielt auch die Predigt. Im Advent waren täglich Beichtleute. 

Am 12. Dezember 1. Schnee, blieb gleich und wurde schöne Schlittenbahn. 27. und 28. Dezember schneite es ununterbrochen, so viel Schnee schon lange nicht mehr gewesen. Weihnachtsfeiertage waren schön, nicht zu kalt. 

Am 25. Dezember kam hier die telegraphische Nachricht an, dass in Ungvar in Ungarn Herr Leopold Schneider, Wirtschaftsbesitzer hier Nr. 91, gestorben ist. Herr Schneider war ein tief religiöser Charakter. Am 31. Dezember war für ihn der feierliche Trauergottesdienst, der überaus zahlreich besucht war. Die Gattin und 2 Kinder trauern um ihn. RIP 

Im Jahre 1917 waren: 9 Geburten, 2 Trauungen, 16 Sterbefälle, dazu noch 3 Krieger, welche den Heldentod starben.