Der heurige Winter zeigt wenig Ernst, kaum einen ausgiebigen Schneefall und auch die Temperatur bleibt dauernd erträglich.
Vom 25. Februar bis zum 1. März wurde wiederum wie in den Vorjahren das kirchliche Triduum abgehalten, wobei die Beteiligung und der Sakramentsempfang nichts zu wünschen übrigließ. Kapuziner Quardian P. Rainer aus Wien hat die Aushilfe geleistet und das Triduum geleitet.
Heuer gab es eine recht traurige Karwoche – am Mittwoch dieser Woche musste ich den Zwieb Johann beerdigen, der am Sonntag vorher bei Steyskal (Gasthaus) sein noch junges Leben buchstäblich im Alkohol ertränkt hat. Ein junger talentierter Mensch, der berufen und gewiss befähigt gewesen wäre, eine Familie zu erhalten und auch glücklich zu machen, ist mit seiner unheilbaren Trunksucht zum Selbstmörder geworden – ohne jeden priesterlichen Beistand ist er im Rausch in die Ewigkeit gegangen … einer von der Fabrik!
Am 10. Mai gab es Fremde hier in einer Zahl, wie sie unser Loidesthal wohl noch selten gesehen haben wird „das Fest der Einweihung von der neuen Burschenvereinsfahne“. Einen Aufwand hat man sich aus diesem Anlass gefallen lasse, wie er wirklich nicht mehr alltäglich genannt werden dar. “Des Tages Arbeit – abends Gäste, des Lebens Sorge, frohe Feste“ … wäre man berechtigt zu sagen.
Vidi 26.5.1925 P. Augustin Höbarth Dechant
Laut vorstehendem Datum wurden die Schulprüfung und kanonische Visitation am 26. Mai abgehalten, u.zw. unter Beteiligung von Seite des Ortsschulrates, der Gemeindevertretung und der Pfarrkinder. Die Führung der Schulkinder in die Kirche hat Lehrerin Frl. Hedwig Fellner übernommen. Dafür hat sich bei der Fronleichnamsprozession, die heuer am darauf-folgenden Sonntag abgehalten wurde, niemand von der Lehrerschaft sehen lassen. Zur genannten Prozession habe ich aus dem Kirchenvermögen von der Kunstanstalt Heindl in Wien eine neue Fahne beschafft. Die Fahne ist aus hellrotem Schafwolldamast gearbeitet zu 2,2 m Länge und 1,3 m Breite, trägt ein Doppelölgemälde (Herz Jesu und hl. Josef), mit leonischen Borten und Fransen. Preis: 350 S. Zugleich von der gleichen Anstalt einen Ewig-Licht-Apparat und eine kleine Holzschnitzerei – symbolisierend die Leidenswerkzeuge – zur Benützung bei der Fronleichnamsprozession.
Am 28. Juni hat der Spar- und Darlehenskassenverein für Loidesthal und Erdpress sein angeblich 35-jähriges Bestandsjubiläum gefeiert. Um ½ 11 Uhr vormittags feierlicher Kirchengang mit folg. Predigt und Hochamt und der übrige Tag mit der darauffolgenden ganzen Nacht gehörte dem Kraftwirt, offizielles Tanzkränzchen, obwohl ich vom Komitee die Zusicherung bekommen hätte, es soll die ganze Veranstaltung einfach und ruhig verlaufen. Wie am nächsten Feiertage Peter und Paul der Kirchenbesuch beschaffen gewesen, kann man sich unter den gegebenen Umständen leicht vorstellen – ein Häufchen Leute. Ich konnte es diesmal nicht unterlassen, auf der Kanzel zu fragen, ob die anderen Pfarrkinder vielleicht noch im Wirtshaus sind und wer für einen solchen Skandal die Verantwortung tragen wird! Da wird gelebt und gelärmt Tag und Nacht, bis der Wirt selber genug bekommt und am Morgen die Betrunkenen schwungvoll liefert, hinter ihnen zusperrt, seine Millionen zählt und sich behaglich ins Fäustchen lacht. Die Betrogenen taumeln heim mit leerem Beutel, mit recht schwerem Kopf und sicherlich sehr viele auch mit einem schweren Gewissen. Nächsten Tag wären manche froh um ein Laibl Brot, wozu in vielen Häusern tatsächlich das Geld nicht mehr langt. Wahrhaftig – die Dummen werden nicht alle!
Vom Vereinsgründer Maier Leopold erzählt die Fama, dass er bei diesem Anlass das Diplom eines Ehrenbürgers von Loidesthal bekommen habe, das will doch was sagen.
Am 28. und 29. Juni wurde in Wien der dritte allgem. Katholikentag abgehalten – leider bei äußerst ungünstiger Witterung.
Getreide- und Weinernte ist qualitativ und quantitativ bei Getreide sehr gut, beim Wein ziemlich gut ausgefallen. Leider hat der Wein keinen Preis – 6000 K per Liter. Dieser Not verdanken wir die seit 1925 modern gewordenen Buschenschänken – oder Wien bei Nacht … Iser Johann hat ihren Reigen eröffnet.
Im Herbst 1925 habe ich für die Pfarrkirche ein neues Pluviale – Firma Flemming & Söhne in Wien, desgleichen einen neuen Altarteppich und kleines Velum – Firma Gottwald, und ein goldgesticktes Schultervelum (auf Atlas reappliciert und mit Halbseide gefüttert) um den Betrag von 670 S beschafft.
Im Herbst dieses Jahres hat die Gemeinde an den wasserreichen Äckern und Wiesengründen die Drainagierung vornehmen lassen, darunter auch zwei Parzellen Kirchengrund.
Überaus schwierig und mühevoll ist das Amt eines geistlichen Pachtverleihers, ganz besonders im heurigen Jahre, wo der Getreidepreis am 1. Juli als Stichtag und im September als Zahlungstermin so namhafte Differenzen aufweist … dazu der empfindliche Geldmangel und die angestammte Modeliebhaberei bei der weiblichen Jugend.
Die Schule hat mit diesem Jahre einen neuen Rat bekommen – Iser, Brandtner und Schinnerl sind abgetreten und ersetzt durch Reschenauer Wolfgang, Krammer Melchior und Steyskal Josef; wiedergewählt wurden: Lieberth Michael, Hollander Anton und Neudhart Martin, der zum Ortsschulaufseher kreiert worden ist.
Eine Rarität mag es genannt werden, dass in diesem Jahre keine einzige Trauung stattgefunden hat. 7 Paare gingen nach Wien
Vidi 31.5.1926 P. Augustin Höbarth Dechant
Priester: P. Bernardus Fattinger