1919

 Der Jänner war sehr warm, so dass die Feldarbeiten nachgeholt werden konnten, die infolge des schlechten Herbstes unterbleiben mussten. Im Februar trat die Kälte auf, kältester Tag 9 ° Reamur. 

In diesem Fasching wurden 9 Paare getraut. Unterhaltungen waren genug, da die Leute Geld genug haben. 

Am 16. Jänner war die Wahl für die Nationalversammlung. Vorher Wählerversammlungen, ging ganz ruhig ab. Wahlergebnis: christlich soziale 285 Stimmen, deutsche 8, sozialdemokraten 8, Seiplpartei 37. 

Im Februar wurden beide Milchkammern gesperrt, die infolge fortwährender Viehrequirierung. Die Leute so wenig Kühe haben, so dass sie die Milch selber benötigen, das übrige wird verhamstert, der Liter 2 bis 3 Kr. Selbst Ortsbewohner müssen den Liter um 2 Kr. zahlen. Die Lebensmittelpreise steigen noch immer, so kostet 1 Ei 2 Kr, das Kilo Rindfleisch 30 Kr, wenn überhaupt welches zu bekommen ist. Viele Artikel sind überhaupt um viel Geld nicht zu haben. Es wird viel gestohlen, Kellereinbrüche sind öfters, obwohl 4 Mann Nachtwache halten. Meistens sind es Wiener Hamsterer, die immer noch in größeren Scharen kommen und auch in religiöser Beziehung Schaden anrichten. Die religiöse Gleichgültigkeit, besonders bei den Männern, ist jetzt schon groß. Die Jugend ist roh und ausgelassen. Möge bald endgültiger Frieden kommen. 

 Am 4. Mai war Wahl für den Landtag. Es wurden 255 christl.soz. und 5 deutschnationale Stimmen abgegeben, ein Teil blieb der Wahl ferne. 

 Anfangs kam der Erlass heraus, dass die Schulkinder nicht mehr verpflichtet sind, der Schulmesse beizuwohnen. Es kommen noch viele freiwillig, aber von den Lehrern ist keiner zu sehen. Auch an den Bitttagen nahm keiner teil an den Prozessionen. 

Der ganze Mai war in diesem Jahr sehr kühl und feucht. 

Am 29. Mai hielt die Feuerwehr die Fahnenweihe ab, es waren sehr viele Leute hier, 15 auswärtige Vereine beteiligten sich dabei. Bei Requisitenhaus war heilige Feldmesse und die Weihe. Die ganze Feier verlief in schöner und ruhiger Weise. Musikkapelle war die Niedersulzer hier, da die hiesige all zu hohe Forderungen stellte (2.000 Kr. und ganze Verpflegung). Fahnenpatin fungierte Frau Maria Koller Nr. 82. 

Am 25. Mai spendet der hochwürdigste Herr Kardinal Piffl das hl. Sakrament der Firmung. Von hier waren 17 Firmlinge, während die anderen 26 in Wien gingen. 

Am 2. Juni 1919 wurden in Saint Germain die Friedensbedingungen den Vertretern von Deutsch-Österreich überreicht. Doch dieser Friedensvertrag ist unannehmbar. Er bedroht Deutsch Österreich mit der völligen Vernichtung. 

Am 12. 6. 1919 Visitation Augustin Höbarth Dechant 

Am 12. Juni war kanonische Visitation und Religionsprüfung in der Kirche. Obwohl der Lehrkörper dazu eingeladen wurde, ließ sich nur Herr Oberlehrer sehen, die anderen 2 nicht. Ebenso beteiligten sie sich nicht an der Fronleichnamsprozession. 

Am 22. Juni war Gemeindewahl. 2 Parteien waren: die katholische Bauernbundpartei und die Heimkehrerpartei, letztere war mehr sozial demokratisch. Die Bauernbundpartei erhielt 8 Mandate, Heimkehrerpartei 4. 

Am 12. Juli wurde Herr Johann Frohner, Wirtschaftsbesitzer Nr. 72, zum Bürgermeister gewählt. Johann Bauer zum Vizebürgermeister, Mathias Glück und Bernhard Kissler zu Gemeinderäten. 

Der Kornschnitt begann heuer erst Mitte Juli wegen der ungünstigen Witterung im Mai und im Juli. Ernte fiel gut aus, Obst weniger, mehr Äpfel, Wein wird sich noch machen, da der August sehr heiß und trocken ist. 

Vom 28. Juli bis 9. August war ich auf Urlaub in Salzburg. Aushilfe leistete hier mit Bewilligung des h. Ordinariates Wien P. Norbert Praxl, Pfarrer von Großinzersdorf. 

10. und 11. August wurde nach 5jähriger Unterbrechung in folge des Krieges der Kirtag wieder in seiner herkömmlichen Weise gefeiert. Getanzt wurde genug, Leute waren massenhaft. Preise hoch, 1 l Wein zu 20 Kr. ausgeschenkt. 

Am 15. August war Ortsschulratswahl, gewählt wurden: zum Obmann Johann Iser Zimmermeister, zum Obmann Stellvertreter Johann Schinnerl, als Mitglieder Martin Neudhart und Anton Hollander und der Michael Lieberth. Dazu gehören noch Pfarrer und Oberlehrer. Zum Schulaufseher wurde Lorenz Brandtner bestimmt. 

Am 20. August wechselten die Herren ihre Posten: P. Friedrich kam von Obersulz als Kooperator nach Mülln, P. Ulrich von Mülln nach Obersulz. Im September wurde P. Michael Noggler, Pfarrer in Obersulz, als Pfarrer nach Maxglan berufen, P. Bernhard Fattinger nach Loidesthal. P. Gregor Gschwandtner von hier nach Obersulz.

Visitation 2.6.1920 Augustin Höbarth Dechant 

Im Juli des Jahres 1919 wurde der damalige Pfarrer der Pfarre Maxglan in der Stadt Salzburg bei der hochwürdigsten Stiftsvorstehung in Michaelbeurn vorstellig mit der Bitte, die große und beschwerliche Seelsorge dort selbst vertauschen zu dürfen mit dem bescheidenen Amte in Loidesthal, welcher Bitte bereit willigst stattgegeben wurde. Am 27. September des genannten Jahres – es war ein Samstag – hielt ich sang- und klanglos meinen Einzug in der neuen Pfarre Loidesthal, während mein Vorgänger Herr P. Gregor Gschwandtner nach Obersulz übersiedelte. Leider muss ich Klage darüber führen, dass ich hierorts gar kein gutes Erbe vorgefunden habe – eine ruinenhafte Kirche mit dementsprechendem Friedhofe, eine religiös sehr gleichgültige Gemeinde, unwissende Kinder – um von der Jugend ganz zu schweigen. Mit einem jeden neuen Tag wurde ich um eine Erfahrung reicher, dabei aber jedes Mal um ein Ideal ärmer. 

Der Kirchenbesuch und ganz besonders das Betragen der Anwesenden würden ganz passend Kapital liefern für einen Roman. Ich will für die genannten Missstände keineswegs den Seelsorger verantwortlich machen, dem gewiss niemand Eifer und guten Willen absprechen kann und der nur den einen Fehler hat, dass er nämlich doch etwas gar zu gut ist. Loidesthal hat je leider seit jeher keinen besonders guten Ruf genossen und ist durch die Stürme des Weltkrieges keineswegs besser geworden. Die Kinder nur halbwegs zur Arbeit in der Schule und zur Ordnung in der Kirche zu verhalten und zu gewöhnen, war die reinste Titanomachie, eine Arbeit, die zwei Jahre beanspruchte und mir – wie sich begreifen lässt, keine Freundschaft eintrug. 

Bezüglich Kirchenbesuch scheint der Priester bedauerlich nur zu tauben Ohren zu predigen, die Männer tun an Sonn- und gebotenen Feiertagen lieber arbeiten – ist ja früher auch so gewesen. Selbstredend imitieren auch die jungen Söhne getreulich ihre mustergültigen Väter. Das eine muss man dem kleinen Orte Loidesthal nachrühmen – Loidesthal ist immer voller Leben: in der Frühe sind es die Hähne, untertags die vielen Gänse, am Abend die Hunde und während der Nacht unsere soliden Burschen, die sich bei ihren Gasthausbesuchen an keine Sperrstunde halten und auch keine Ortspolizei zu scheuen haben. Dass die Väter sich nicht wehren und für die Nachtruhe sorgen und zu diesem Behufe den übermäßigen Gasthausbesuch seitens der Burschen und Bürschchen einschränken, dies muss ich am allermeisten beklagen. Unsere Männer haben eben schon die ganze Führung verloren. Das viele Zechen in den zwei Ortsschänken verleitet unsere Jugend leider sehr häufig zu Diebstählen, um sich mit Hilfe der Wiener Hamsterer Geld zu verschaffen, dann das Tanzen zu jeder gelegenen und ungelegenen Zeit ist bereits mit 120 K pro Mann besteuert und der Wein kostet 90 K pro Liter. 

Anschließend ein anderes nicht weniger dunkles Kapitel über die täglich zunehmende Teuerung. Hier will ich gleich zur Entschuldigung der Landbevölkerung voraus schicken, dass die beispiels hohen Preise für die Lebensmittel nicht unter allen Umständen der Profitgier unserer Leute zugeschrieben werden darf, sondern man muss sagen, der Bauer tut teuer verkaufen, weil er auch ebenso teuer muss einkaufen – ja die Lebensmittel sind relativ noch billig im Vergleich zu den übrigen Bedarfsartikeln. Außerdem tragen die unheimlichen Schieber und Berufshamsterer eine große Schuld, in dem sie alles ums 10fache überbieten, wodurch es den Ortsinsassen einfach unmöglich wird, billig einzukaufen, falls sie überhaupt etwas bekommen. In der Zeit von 1919 bis 1921 sind die Preise tatsächlich um das 400fache gestiegen. So kauft man jetzt das Getreide pro Metercentner um 4500 K, obwohl mit Beginn der letzten Ernte ein Höchstpreis von 1000 K behördlich festgelegt wurde. Die Milch kostet auch für die Ortsbewohner schon 10 bis 12 K pro Liter. Die Eier werden um 15 K pro Stück verkauft – für ein Kilo Rindfleisch zahlt man 140 K, Schweinefleisch 210 K, noch viel teurer natürlich das Geflügel. Diese Preise erklären sich trotzdem, wenn man weiß, dass jetzt Pferde um 200000 K, mittelmäßige Kühe um 70 bis 90000 Kr verkauft werden. Will man sich dermalen anständig kleiden, so benötigt man dazu ein enormes Vermögen: 2000 Kr. für die Schuhe, 15000 Kr. für einen mittelmäßigen Anzug, 900 Kr. für einen windigen Hut usw. Dabei sind diese sündteuren Sachen zeitweilig überhaupt nicht anders zu bekommen, als nur durch die Gnade der Wiener Hamsterer, von denen unsere berüchtigte Landesbahn tagtäglich bis zum Zerdrücken voll ist. Wo auf der Plattform und am Aufstieg noch ein Winkel frei ist, dort drängt sich noch ein Berufshamsterer hinein, selbst auf den Waggondächern hat man schon Rücksack-Passagiere sehen können. Das Reisepublikum unserer Bahn ist derart minderwertig und entsittlicht, dass ein halbwegs anständiger Mensch direkt bahnexistenz unmöglich geworden ist. Zugspersonale und Gendarmerie muss leider vielfach ohnmächtig zusehen und ruhig gewähren. Unsere Landesbahn ist eine Art Republik in der Republik Deutschösterreich geworden – Hilfe tut dringend not. 

Das Erträgnis unserer Ernte im Jahre 1919 war summa befriedigend – auch die Weinernte hat halbwegs entsprochen. Obst war in diesem Jahre in Hülle und Fülle gediehen. Auch ließ sich die Witterung im nachfolgenden Winter ziemlich gut an, so dass auch für das Jahr 1920 eine reichliche Ernte zu erhoffen gewesen wäre. Leider hat ein fürchterlicher Hagelschlag am 13. Juli 1920 die halbe Ernte auf den Feldern und in den Weingärten vernichtet. Dieser verheerende Gewittersturm kam in der Richtung von Hohenruppersdorf über Niedersulz und Loidesthal und richtete auch in Inzersdorf streckenweise noch einigen Schaden an. Was demnach die böse Reblaus in unseren Gärten noch verschont gelassen hatte, das hat fast zur Gänze der Hagel vernichtet. Der 13. Juli bedeutete auch für den Pfarrer einen Unglückstag, denn dieser hat es zum größten Teile verschuldet, dass die Giebigkeiten an den Pfarrhof eine arge Reduktion erfuhren und auch die jährliche Messweinsammlung nicht befriedigte – drei Eimer, im Jahre 1920 1 ½ Eimer recht minderwertige Weines – einähnliches Getränk.

1918

Am 10. Jänner war feierlicher Trauergottesdienst für den durch eine Lawine verunglückten Krieger Anton Glück Wirtschaftsbesitzersohn Nr. 87.

Am 27. Jänner in Richters Gasthaus Versammlung der Ortsgruppe des Piusvereines. Als Gastredner war erschienen Herr Kanzleileiter Viala aus Wien, der ein ausgezeichnetes Referat hielt über die Presse. Anstelle des verstorbenen Obmannes Mathäus Hödl wurde Herr Josef Schulz, Tischlermeister, gewählt. Der Besuch der Versammlung ließ von Seiten der Männer zu wünschen übrig. 

 Die Preise von Lebensmittel und anderen Artikeln stiegen ins unerschwingliche. 1 Ei kostet 50 he, 1 Kilo Schweineschmalz 40 – 50 Kr. und selbst um diesen Preis ist keines zu bekommen. 1 l Milch 64 he, 1 Kilo Schweinefleisch 20 Kr., 1 l Wein 6 – 8 Kr., 1 Schwein 4 Wochen alt 300 Kr., 1 Paar Schuhe 150 Kr. etc.

Jeden Tag kommen mit der Bahn von Wien ganze Scharen so genannter Hamsterer, die um hohe Preise oder gegen Tausch von Waren, Lebensmittel fortschleppen, da in Wien gar nichts mehr zu bekommen ist. 

Wie an anderen Orten, so nimmt auch hier in Folge der langen Kriegsdauer, die Verrohung der Jugend, besonders der Burschen überhand. Durch nächtliches Johlen und Schreien und sonstigen Unfug lassen diese 16 bis 17jährigen Bürschchen ihren Übermut aus. Schuld daran ist, dass die größeren Kinder sehr wenig in die Schule kommen, da sie vielfach zur Arbeit angehalten werden, und dann sind viele Väter fort im Kriege und die Mütter allein sind nicht im Stande die heranwachsende Jugend zu bändigen. Eine traurige Folge des Krieges. 

 Zu Maria Lichtmess und Fasching wurde von hiesigen Mädchen unter Leitung des Pfarrers in Krafts Gasthaus tolles Theater aufgeführt, nämlich: der Schutzengel und im Heiratsbüro. Die Vorstellungen waren sehr gut besucht. Als Reingewinn konnten für das Rote Kreuz in Mistelbach 273 Kr. abgeliefert werden. Obwohl von Seite des Bürgermeisters das Tanzen verboten war, wurde trotzdem nachher fleißig getanzt. 

Am 6. Jänner wurde von der Orgelbaufirma Svoboda in Wien von der Orgel die …………pfeifen abgenommen und dem Kriegsministerium abgeliefert. Dieselben hatten ein Gewicht von 31 Kilo, für das Kilo wurden 15 Kr. bezahlt. Die Orgel ist noch gut spielbar. Am 9. Februar kam die freudige Nachricht vom 1. Friedensschluss, nämlich Friede mit der Ukraine. Möge bald ein allgemeiner, ehrenvoller und dauerhafter Friede kommen. Am weißen Sonntag Feier der 1. hl. Kommunion, 30 Erstkommunikanten. 

Am 19. April kam als 1. aus russischer Gefangenschaft zurück, Johann Lobner, ein Sohn des Herrn Bürgermeisters, weiters kamen Pohl Anton, natürlich mussten sie gleich ihre Erlebnisse erzählen. Nach 4 Wochen Urlaub müssen sie wieder einrücken. 

Die Bauern müssen wieder Getreide liefern, so dass jetzt manche selbst zu wenig haben und bis zur neuen Ernte nicht mehr ausreichen. Die Not und das Elend werden immer größer, besonders in Städten. In Wien sterben täglich über Tausende. 

Im Mai wird endgültig Friede geschlossen mit Russland und Rumänien, so dass die ganze Ostfront frei ist und wir auch hoffen können, mit Lebensmittel in einiger Beziehung versorgt werden. 

Gegen Frankreich, England und Italien dauert das furchtbare Ringen immer noch fort, wie lang wird das noch andauern? 

In Folge Unterernährung und Futtermangel bekommen sehr viele Rinder die Knochenweiche und müssen dann notgeschlachtet werden. Die Gemeinde muss monatlich 12 Stück Vieh abliefern, und so kommt der Viehstand ganz herunter. 

Die Witterung ist seit anfangs April trocken und warm, die Weingärten stehen schön und man hofft sich eine gute Weinlese, wenn nichts mehr drüber kommt. Auch die Getreide stehen schön da. 

Zu Pfingsten empfingen 13 Kinder das heilige Sakrament der Firmung in Wien. Am 18. Mai langte hier die telegraphische Nachricht an, dass in einem Spital zu Innsbruck der Krieger Josef Kramer, Wirtschaftsbesitzer in Loidesthal 113 gestorben ist. Visitation am 28.5. 1918 Augustin Höbarth Dechant 

Josef Kramer wurde in seine Heimat überführt, die Gemeinde widmete ihm ein Ehrengrab in der Mitte des Friedhofs vor dem großen Kreuz. Das Leichenbegängnis fand unter überaus zahlreicher Teilnahme statt. 

Am 24. Mai nachmittags brach im Hause des Josef Frohner Feuer aus, es dürfte durch Kinder entstanden sein, es wurde gleich bemerkt, und so entstand kein weiterer Schaden. Eine Stunde darauf brannte es bei Mathias Dollinger sen., der raschen Hilfe und der Windstille war es zu verdanken, dass das Feuer auf keine anderen Häuser übergriff. Bei Dollinger brannte der Dachstuhl ab. Das Feuer ist durch Unvorsichtigkeit entstanden. 

Am 28. Mai fand durch hochwürdigen Herrn Dechant von Zistersdorf die kanonische Visitation statt. In der möglichst einfachen Form wegen des Krieges. Die Religionsprüfung war in der Schule. 

Während Mai und erste Hälfte Juni sehr trocken, warm, trat Ende Juni eine Regenperiode ein, auch Gewitter mit Hagel, ohne jedoch größeren Schaden anzurichten. 

In folge der schlechten Witterung begann die Ernte erst am 12. Juli. Ende August wurde der letzte Hafer eingeführt, war gute Mittelernte. Der Liter Wein kostete 5 bis 16 Kr, 1 Kilo Geselchtes 40 Kr, 5 St. Eier 4 Kr, der Liter Milch 84 he., 

Im Jahre des Krieges hat 2. und 3. Kl. noch immer Halbtagsunterricht. Ist großer Mangel an Lehrkräften. Frl. Eleonore Fasching kommt nach Spannberg, nachdem sie hier 3 Jahre segensreich gewirkt. Herr Anton Stöger, absolv. Lehramtskandidat, ein gebürtiger Spannberger, kam an ihrer Stelle. 

Die Weinlese begann Ende September, das Erträgnis war mittelmäßig, in folge der nassen Witterung war viel gefault. Die Qualität nicht besonders gut, 3 % der Beste. 

Da dem Pfarrverweser vom Stifte aus kein Beitrag gewährt wurde, zum Ankaufe von Wein, und bei jetziger ungeheurer Teuerung aller Artikel, es dem Pfarrer unmöglich war, sich Wein zu kaufen, wandte er sich an das löbliche Bürgermeisteramt (Lobner) um die Erlaubnis, eine Weinsammlung abhalten zu dürfen. Dieselbe wurde bereitwillig gewährt, und so fand im Jahre 1918 die erste Weinsammlung statt, das Ergebnis waren 5 Eimer. Wird verwendet zu Opferwein, das übrige zur Verfügung des Pfarrers. 

Anfangs Oktober wurde der Kooperator von Obersulz P. Friedrich Egger als k.k. Feldkurat einberufen. Der Herr Pfarrer ist nun allein vorläufig. 

Im Oktober brach eine in vielen Ländern auftretende ansteckende Krankheit aus, die so genannte spanische Grippe, bestand in heftigen Fieber in Verbindung mit Lungenentzündung. Tausende und Tausende fielen ihr zum Opfer, besonders junge Leute. Auch in unserer Gemeinde trat sie heftig aus. Es wurde die Schule 3 Wochen geschlossen. Aber Sterbefall an dieser Krankheit war keiner zu verzeichnen bei uns. 

Das Elend und das Leid des Krieges werden immer größer. Am 23. Oktober wurde auf dem italienischen Kriegsschauplatze Josef Burgmann, ein Sohn des Bäckermeisters Burgmann, von einer Granate getötet. Am 6. November starb in einem Reservespital in Wien der Krieger Sebastian Glück, 20 Jahre alt. Die Leiche wurde in die Heimat überführt und daselbst unter außergewöhnlich großer Beteiligung zur letzten Ruhe bestattet. 

Am 3. November wurde Waffenstillstand mit Italien geschlossen. Dieser schreckliche Krieg nahm für Österreich und Deutschland ein Ende, so traurig wie es sich wohl niemand gedacht haben würde, obwohl, weil in Feindesland drinnen, mussten wir nachgeben. Die allzu große Übermacht, besonders die amerikanische, dann die wirtschaftliche Not und die große Uneinigkeit im Hinterlande führten die Katastrophe herbei. 

Opfer des Weltkrieges 1914 bis 1918 aus der Gemeinde Loidesthal
Mathias Seimann Wirtschaftsbesitzer Nr. 54
Anton Schneider Schuhmachermeister
Anton Glück Halblehnerssohn Nr. 87
Leopold Schneider Wirtschaftsbesitzer Nr. 91
Johann Geer Halblehnerssohn Nr. 31
Ferdinand Geer Halblehnerssohn Nr. 31
Josef Krammer Wirtschaftsbesitzer Nr. 113
Bernhard Krammer Halblehnerssohn Nr. 100
Sebastian Glück Halblehnerssohn Nr. 23
Josef Burgmann Bäckermeisterssohn Nr. 18 

1917

Ende 1916 wurde eine neue Zeitung gegründet „Neues Wochenblatt“, Zeitung für das Viertel unter dem Manhartsberge. Bis Neujahr haben sich 16 Abonnenten gemeldet.

Herr Oberlehrer Leopold Reim, der über 1 Jahr Kriegsdienste leistete, wurde vom Militärdienst enthoben und seit 2.1. seinen Dienst in der Schule wieder angetreten. Herr Josef Faderbauer, der während dieser Zeit provisorisch die Schulleiterstelle übernommen, kam als provisorischer Schulleiter nach Niedersulz.

Am 3. Jänner wurde Trauergottesdienst abgehalten, für den gefallenen Krieger Johann Wasinger, hier geboren, verheiratet in Niedersulz. Am 16. Jänner für gefallenen Krieger Johann Geer, Halblehnersohn von hier. 

Vom 18. bis 26. Jänner nahm eine Kommission bestehend aus Herrn Oberlehrer, Bürgermeister, Gemeinderat Frohner und 4 Militaristen alle Vorräte an Getreide, Kartoffel, etc. auf. Gerade das aller notwendigste wurde den Leuten gelassen, das übrige musste gleich abgeliefert werden. 

Vom 20. Jänner an ziemliche Kälte, 10 bis 13 ° Reaumur Kälte (entspricht 12,5 bis 16,8° C) durchschnittlich. Am 25. Jänner war in Zistersdorf Musterung der Jahrgänge 1892 bis 1898, wurden wieder 8 behalten. Im Februar ist Musterung des Jahrganges 1899. Sind so wenig männliche Arbeitskräfte hier, wie wird in diesem Sommer die Arbeit geschehen können? 

Am 2. Februar war in Krafts Gasthaus Piusvereinsversammlung. Herr Franz Meißel, Landesbeamter in Wien hielt einen sehr interessanten Vortrag über Krieg und Presse, das Zusammenwirken zwischen Stadt- und Landbevölkerung. Weiters sprachen noch der Ortspfarrer und Oberlehrer Reim, Besuch war mittelmäßig. 

Die Kälte dauerte an, bringt bis 16° Reaumur (entspricht 20°C), gute Schlittenbahn. 

Am 12. Februar nach der hl. Messe war Abschied von der großen Glocke. Waren viele Leute in der Kirche. Kurze Kriegsandacht, Ansprache, hierauf Glockengeläute, zuletzt die große allein, gar viele haben geweint, da sie zum letzten Male ihre traute Stimme hörten. Am 13. Februar wurde die große Glocke am Turme oben ganz zerstückelt und für Kriegszwecke abgeliefert, es war traurig, dieses Hämmern und Schlagen zu hören. Der Krieg fordert große Opfer. Inschriften auf der großen Glocke waren: Unter dem hochwürdigen Herrn Pfarrer Ludwig Fockenhuber und Leopold Frohner Bürgermeister zu Loidesthal J.J. 1870. Ignaz Hiltzer k.k. Hofglockengießer in Wr. Neustadt. Bildnisse darauf: 1. Christus am Kreuz, 2. Maria mit dem Jesuskind, 3. hl. Wolfgang, 4. hl. Florian. Gewicht der Glocke 469 Kilo. Betrag dafür 1876 Kr, welche von der Gemeinde, da die Glocken Eigentum der Gemeinde sind, für die 5. Kriegsanleihe gezeichnet wurde. 

Die Kälte dauert an. In Folge Kohlemangel wurde die Schule geschlossen vom 9. März bis 10. April. 

Am 15. April hier Erstkommunion, 18 Kinder. 

Am 23. Februar bis 17. April waren 9 Sterbefälle: am 17. 4. starb Herr Mathäus Hödl, durch 37 Jahre Messner an der Pfarrkirche, das Leichenbegängnis fand unter großer Beteiligung Leidtragender statt. 

Im Laufe des Winters und Frühjahres fanden öfters Hausdurchsuchungen statt. Teils von der Militärbehörde, zuletzt von Finanzwache. Die Leute mussten selbst das hergeben, was sie selber notwendig zum Leben brauchten. Gar manche Häuser waren, wo kein Brot, kein Schmalz, keine Kartoffel mehr waren, und die Leute mussten die größten Entbehrungen tragen. Immer größer und schwerer wurden die Opfer des Krieges. Die Preise sind ungeheuer hoch und viele Artikel sind überhaupt nicht zu haben. Vom f. n. Ordinariat wurden öfters Betstunden angeordnet, um von Gott bald einen ehrenvollen Frieden zu erflehen. Die Leute sind schon ganz mutlos und verzagt. 

 Ende April doch endlich warme Witterung, schönes, heißes trockenes Wetter vom 30. April bis 8. Juli, während dieser Zeit regnete es nur 2 mal ganz wenig. In folge dessen zeigte sich große Dürre und Trockenheit, besonders im Juni. Besonders die Frühjahrssaaten können sich nicht entwickeln, Kartoffel, Hafer, Gerste stehen schlecht. Korn und Weizen ist sehr schön, auch Wein steht gut. 

Am 26. Juni beginnt die Kornernte. Die Leute trachteten bald Mehl zu bekommen, wird bald gedroschen und anfangs Juli gab es schon Brot von der neuen Ernte. Hunger tut weh. Am 8. Juli kam der sehnlichste erwartete Regen, war ein heftiges Gewitter, leider auch mit etwas Hagel, der an den Weingärten Schaden anrichtete. Der Blitz schlug in Nellers Garten in einen Nussbaum ein. 

Wiederum kam von der k.k. Militärbehörde der Auftrag, die Kirche muss auch die anderen Glocken noch für Kriegszwecke liefern. Am 9. Juli wurde die 2.größte vom Turm herab genommen. Sie wurde ganz unversehrt hinab geworfen, in den alten Friedhof. Inschrift dieser Glocke: durch das Feuer ich, David Mesnitzer, Jahreszahl 1627, Bild Christus am Kreuze, Gewicht der Glocke 174 Kilo, Betrag dafür 596 Kr. welche von der Gemeinde in die hiesige Sparkasse eingelegt wurden, vorläufig haben wir nur die Sterbeglocke (75 Kilo), vielleicht muss auch diese noch fort. 

Am 1. August starb Frau Rosalia Schinnerl an Ruhr, sonst noch keine Fälle zu verzeichnen in unserer Gemeinde. In Spannberg starben innerhalb eines Monats 16 Personen an dieser Krankheit. 

Am 2. September langte hier die telegraphische Nachricht ein, dass in einem Spital in Olmütz Herr Anton Schneider, Schuhmachermeister, an der Ruhr gestorben ist. Am 10. September war für ihn der feierliche Trauergottesdienst. Hier, wie auch an anderen Orten, wird viel gestohlen, besonders Obst, Weintrauben, Kartoffel und etc. Am 6. September nachmittags wurde bei Herrn Johann Schulz eingebrochen, gestohlen wurden 600 Kr. und verschiedene Kleidungsstücke, von den Tätern fehlt jede Spur. 

Am 8. September war Kriegswallfahrt nach Maria Moos, mehrere waren in Mariazell, um von der Mutter Gottes baldigen Frieden zu erflehen. 

Der ganze Sommer ist sehr heiß und trocken, im September fiel kein Tropfen Regen, Obst ist viel und teure Preise, so kostet 1 Kilo Äpfel 2 bis 3 Kr., 1 Kilo Zwetschken 1,30 Kr., kamen von Wien viele Obsthändler heraus. Weinlese beginnt am 16. September. Qualität sehr gut, Most wiegt 15°, Quantität mittelmäßig. Preise sind sehr hoch, 1 l Most 3 bis 4 Kr. 

Der Herbst war warm und schön, doch etwas Regen. 

Am 4. Dezember nachmittags Anbetung, sehr viele Beichtleute. P. Friedrich von Obersulz war zur Aushilfe hier, hielt auch die Predigt. Im Advent waren täglich Beichtleute. 

Am 12. Dezember 1. Schnee, blieb gleich und wurde schöne Schlittenbahn. 27. und 28. Dezember schneite es ununterbrochen, so viel Schnee schon lange nicht mehr gewesen. Weihnachtsfeiertage waren schön, nicht zu kalt. 

Am 25. Dezember kam hier die telegraphische Nachricht an, dass in Ungvar in Ungarn Herr Leopold Schneider, Wirtschaftsbesitzer hier Nr. 91, gestorben ist. Herr Schneider war ein tief religiöser Charakter. Am 31. Dezember war für ihn der feierliche Trauergottesdienst, der überaus zahlreich besucht war. Die Gattin und 2 Kinder trauern um ihn. RIP 

Im Jahre 1917 waren: 9 Geburten, 2 Trauungen, 16 Sterbefälle, dazu noch 3 Krieger, welche den Heldentod starben.